Die Zahlen · 3 Min. Lesezeit
Die 4-Prozent-Regel: warum 3,5 % für Frühpensionierte sicherer sind
Die 4-Prozent-Regel stammt aus US-Daten über 30 Jahre. Frühpensionierte brauchen längere Horizonte, darum sind 3,5 % sicherer. Was die Regel sagt und was nicht.
Bildung, keine Finanzberatung. Nutzung auf eigenes Risiko. Vollständigen Haftungsausschluss lesen

Kurz gesagt
- Die 4-Prozent-Regel sagt, du kannst im ersten Jahr 4 % deines Startvermögens entnehmen und danach der Teuerung anpassen. Die US-Geschichte sagt, das hielt 30 Jahre.
- Frühpensionierte brauchen ein Vermögen für 40 bis 60 Jahre. Eine tiefere Startrate von 3 bis 3,5 % ist darum die vorsichtigere Wahl.
- Bei CHF 48’000 Jahresausgaben beträgt der Unterschied zwischen 4 % und 3,5 % rund CHF 171’000 zusätzliches Vermögen.
Die 4-Prozent-Regel ist die am häufigsten zitierte Idee der FIRE-Welt. Sie ist ein nützlicher Ausgangspunkt und ein schlechter Endpunkt. Hier steht, was sie sagt, woher sie kommt und warum diese Seite tiefer startet.
Was die Regel sagt
Im ersten Ruhestandsjahr entnimmst du 4 % deines Startvermögens. In jedem weiteren Jahr entnimmst du denselben Betrag, der Teuerung angepasst. Die Regel stammt aus den Arbeiten von William Bengen in den 1990er-Jahren und der späteren «Trinity-Studie», die Portfolios aus Aktien und Anleihen an der US-Marktgeschichte testeten. In fast jedem getesteten 30-Jahres-Zeitraum hielt ein Portfolio mit hohem Aktienanteil die vollen 30 Jahre.
Bei CHF 1’200’000 heisst das CHF 48’000 im ersten Jahr, also CHF 4’000 im Monat.
Was die Regel nicht sagt
- Es ist US-Geschichte. Die USA hatten ein aussergewöhnlich starkes Jahrhundert. Andere Länder schnitten schlechter ab.
- Sie deckt 30 Jahre ab. Wer mit 45 aufhört, braucht 50 Jahre oder mehr.
- Sie ignoriert Steuern, Kosten und Währung. Schweizer Anleger zahlen Vermögenssteuer und Fondskosten, und der Franken steigt tendenziell gegenüber den Währungen ihrer Anlagen.
- Sie unterstellt feste Ausgaben. Echte Menschen geben weniger aus, wenn die Märkte fallen, und das hilft.
- Sie rechnet ohne Renten. In der Schweiz kommen AHV und Pensionskasse später und entlasten das Vermögen.
Warum 3,5 % für Frühpensionierte
Der Rechner startet mit den klassischen 4 %. Für Frühpensionierte empfehlen wir 3,5 %, weil der Horizont länger ist als der Testzeitraum und weil so Platz für Kosten und Steuern bleibt. Es ist eine vorsichtige Wahl, keine magische Zahl. Ändere sie im Rechner und vergleiche.
| Jahresausgaben | Vermögen bei 4 % | Vermögen bei 3,5 % | Mehrbedarf |
|---|---|---|---|
| CHF 36’000 | CHF 900’000 | CHF 1’029’000 | CHF 129’000 |
| CHF 48’000 | CHF 1’200’000 | CHF 1’371’000 | CHF 171’000 |
| CHF 60’000 | CHF 1’500’000 | CHF 1’714’000 | CHF 214’000 |
So wählst du deine eigene Rate
- Passe sie dem Horizont an. Rund 30 Jahre: 4 % ist vertretbar. 40 bis 50 Jahre: 3 bis 3,5 %.
- Rechne deine Renten ein. Wende die Rate auf die Lücke an, die deine Renten nicht decken, nicht auf deine gesamten Ausgaben. Siehe deine FIRE-Zahl.
- Plane Flexibilität. Wenn du in einem schlechten Jahr 10 % kürzen kannst, darfst du etwas höher starten.
- Kenne die Hauptgefahr. Es ist nicht die Durchschnittsrendite, sondern die Reihenfolge der Renditen am Anfang. Siehe Sequenzrisiko.
- Entscheide, ob etwas übrig bleiben soll. Manche wollen alles vererben, andere es aufbrauchen. Siehe Mieten fürs Leben, mit null sterben.
- Halte die Kosten tief. Siehe Anlegen in der Schweiz: ETFs, Domizil und Kosten.
Nächster Schritt
Probiere 3 %, 3,5 % und 4 % im Rechner und vergleiche die drei Unabhängigkeitsalter. Der Abstand zeigt, was Sicherheit kostet.
Probiere es mit deinen Zahlen
Stelle deine eigene Entnahmerate im Rechner ein und sieh, wie sie dein Unabhängigkeitsalter verschiebt.
Startet mit
- Alter 40
- Ausgaben CHF 4’000 / Monat
- Sparen CHF 2’500 / Monat
- Erspartes CHF 300’000
- Entnahmerate 3.5%
Kostenlos und privat. Deine Zahlen bleiben auf deinem Gerät. Schätzungen zur Planung, keine Beratung. Nutzung auf eigenes Risiko.




